Über Fotografie,Fotografie in Tübingen
Ich kaufte mir eine neue Spiegelreflex-Kamera und
mein Freund Horst-Helge wunderte sich. Und ich wunderte mich warum er sich
wunderte
Was
war der Punkt?
Ganz einfach: da ich die Kamera kurz vor dem Lanzarote Urlaub
kaufte, meinte er es wäre sinnvoller eine Filmkamera ( für das gleiche Geld ) zu
kaufen.
Aber ich wollte
keine Filme machen sondern fotografieren, Fotos machen, stehende Bilder ohne die bewegte Zeitkomponente eines
Films. Natürlich gibt Filmen die Realität besser wieder als Fotografieren. Aber,
wollte ich die Realität wiedergeben? Ja, zum Teil wollte ich gerade die tollen
Motive auf Lanzarote festhalten. Bilder die ich bei uns nicht sehe. Palmen,
Kamele, Vulkane. Jeder hat aber seine persönliche Realität.
Auch beim Sehen. Ein
Film zeigt Bilder in einem Ablauf - Fotos sammeln
Eindrücke.
Das Foto hält
den Augenblick
fest und friert einen Ausschnitt der Realität so ein, dass es für den
Betrachter etwas besonders
darstellt. So sollte es sein. Dieser Anspruch schlummerte schon damals in mir
als ich noch die Fotografie mit Dilettantismus (mit Liebe)
betrieb.
Man könnte sagen der Fotograf sammelt, wie der Clown Hans Schnier ,
Augenblicke.
Oder er macht Fotos weil er neugierig ist wie die Dinge aussehen wenn sie
fotografiert worden sind. (wer hat das gesagt?).
Natürlich knipsen wir auch, ohne Nachzudenken, und es kommen manchmal brauchbare
Fotos dabei heraus. Auch die Lomografie hat ihre
Reize. Wenn man aber seine
Kamera mit dem Anspruch gute Fotos zu machen einsetzt merkt man dass die Motive immer
unspektakulärer werden und die Bilder mit der Zeit besser. Es ist ein „Learning
by Doing“. Wenn man jahrelang wahllos Erinnerungs-Fotos produziert, dann tut
sich Nichts, und die Qualität bleibt immer gleich.
Was ein gutes Foto auszeichnet ist schwer zu sagen. Jeder hat da seine
eigene Sichtweise. Aber es gibt Kriterien die dem Betrachter helfen zu
begründen wann ein
Foto gut oder schlecht ist. ( in seinen Augen ).
Vor allem muss der Betrachter dabei berücksichtigen für
welchen
Zweck eine Fotografie
gemacht wurde. Es ist ein großer Unterschied ob der Fotograf eine
Architektur-Aufnahme, für den Zweck der Dokumentation, macht oder
ein raffiniert
ausgeleuchtetes Glamourfoto mit künstlerischem Anspruch.
Für beide Arten gibt es Kriterien die das Werk als gut
oder schlecht einstufen. Wie
gesagt es ist sehr schwer zu sagen warum ein Bild gut oder schlecht ist, und um
das mit den erwähnten Kriterien zu begründen ist ein gesonderter Aufsatz
nötig.
Glücklicherweise gibt es so genannte „Legenden der Fotografie“ die einem Fotografen eine Orientierungshilfe geben können, unabhängig
davon was der Zeitgeist
gerade als gut befindet. Und, ein Kriterium für ein gutes Bild könnte sein: Ein
Bild ist gut wenn es den Betrachter fesselt und zu einem Kommentar anregt oder
seinen Zweck erfüllt.
Dagegen könnte man sagen: „ Gerade die schlechte Bilder werden gerne
Kommentiert“. Sind diese Bilder dann wirklich so schlecht? Schlecht, weil sich
der Betrachter schockiert, provoziert oder abgestoßen fühlt?
Ich glaube nicht, denn ein Standard Blümchenfoto ist durch
sein massenhaftes aufkommen schlechter. Manche Fotos sind einfach ausgelutscht. Sie
erzeugen nicht mal ein müdes Lächeln beim Betrachter und höchstens einen
Kommentar wie „ Nicht schon
wieder!!!“.
Damit wäre die Antithese angebracht: ein Bild
ist schlecht wenn es bei 90%
der Zuschauer keine Reaktion erzeugt oder wenn niemand seine Zweck
erkennt. Na ja, wie schon
gesagt es ist nicht so einfach.
Bilder überfluten die
Welt und jeder ist täglich mit Fotos und Filmen konfrontiert. Es stumpft ab. Man
nimmt die Bilder nicht mehr bewusst wahr und selten findet man eine Abbildung die fesselt. Die Werbung
prägt die Bilderflut, und es sind gerade die Werbefotos die fesseln,
schockieren. Damit erfüllen diese Fotos ein Kriterium, dass für eine gute
Aufnahme anwendbar ist: Sie erregen Aufmerksamkeit. Sie werden kommentiert und
damit bewusst
wahrgenommen.
Die Werbung ist ein Produkt der Gegenwart oder die Gegenwart ein Produkt
der Werbung?
Die Werbung schleicht
sich in das tägliche Leben ein und beeinflusst den Fotografen ganz intensiv.
Manchmal merkt er es gar nicht. Werbung hilft verkaufen und muss im Trend liegen
wenn sie ihren Zweck gerecht werden will
Auch gute Fotografen, besonders die Profis (die Fotografen
die Geld mit der Fotografie verdienen) sind sehr empfindlich gegenüber diesem
Einfluss der Werbung. Wenn sie verkaufen müssen, sind sie sicher
nur dann dabei wenn sie im
Trend liegen. Wer macht die Trends? Artdirektoren, Artbuyer, Medien, die
Verbraucher. Ein Trend ist
kurzlebig und für
die künstlerische Qualität gefährlich
Der Amateurfotograf der seine Bilder für Fotozeitschriften und Wettbewerbe
schießt schüttelt manchmal den Kopf über die Entscheidung der Jury und er
wundert sich manchmal über die Portfolios bekannter Fotografen die in den
Zeitschriften vorgestellt werden.
Hier sind auch Trends spürbar und auch der Amateur passt sich an. Wenn er
mitmischen möchte ist
er
gefährdet seinen persönlichen Stil
zu verlieren.
Nur der normale Verbraucher ist dagegen gefeit. Denn er knipst frei.
Fast jeder benutzt eine Kamera und im Herbst werden Tonnen von Aufnahmen beim Photodiscounter
aussortieret. Man muss ja nur die Bilder zu bezahlen die was geworden sind. Der
Rest ist Müll.
Die Digital Kamera ist da umweltfreundlicher. Wir können hunderte Aufnahmen machen, sofort
löschen ohne das Fachlabor zu bemühen.
Kein Papier- und nur die
Guten werden aufbewahrt, gedruckt oder am Bildschirm betrachtet. Revolutionär und Umweltfreundlich.
Die digitale Fotografie boomt und verdrängt die gute alte Filmkamera in
eine Nische in
der heute auch die Schwarzweiß-Fotografie schlummert.
Die Bearbeitung der Bilder im Computer erschließt neue
Wege und ersetzt/erleichtert die altbewährte
Arbeit in der
Dunkelkammer. Es ist leicht
die Fotos zu manipulieren und jeder wird heute nicken, wenn ich sage die
Fotografie bildet nicht die nur Realität ab sondern die Fotografie zeigt uns die Realität wie sie sein könnte oder wie der Fotodesigner sie gerne
hätte.
Die sog. „digitale
Fotografie“ oder besser
„Computer Unterstützte Fotografie“, kann die Qualität der Bilder nicht unbedingt
verbessern. Sie erleichtert nur die Arbeit, ist schneller als konventionelle
Arbeitsmethoden und bringt Vorteile für den Fotografen, die er mit der alten
Technik nicht bekommen kann. ( z.B. ISO-Einstellung, automatischer
Weißabgleich).
Und es ist billiger mit der neuen Technik Fotos zu produzieren
Sicher ist es egal ob wir digital oder analog Fotografieren. Das
Endprodukt das „stehende Bild“ ist auf dem Papier oder Bildschirm ist
entscheidend . Ein Augenblick, den wir erlebt und für das Auge gestaltet
haben.