Ein kleiner Textbeitrag über Fotografie
Vor dem Fotografieren kommt das Erkennen. Ein Motiv, auf den ersten Blick etwas ganz unscheinbares, kann so gesehen werden, dass es nach dem Fotografieren interessant wirkt und der Betrachter etwas Zeit aufwendet um es zu betrachten. Der Fotograf kann also versuchen Andere zu veranlassen einen Teil der realen Welt mit seinen Augen zu sehen. Er verfremdet, mit Hilfe der Fotografie die Realität, die jeder anders empfindet. Er kann auch versuchen mit seinem Bild eine Aussage zu verbinden. Ob er es bewusst macht oder mit künstlerischer Bewusstlosigkeit sei dahingestellt. Je besser seine Bilder sind um so länger werden sie angeschaut. Verfremden könnte heißen, das Bild aus der gewöhnlichen Betrachtungsweise herauszunehmen und es anders, fremd zu gestalten.
Die Mittel, die der Fotograf anwendet um sein Motiv interessant, schön, provozierend darzustellen ist seine ganz spezielle Handschrift. Es gibt Regeln, die man in Lehrbüchern findet, die besagen wie man bessere Fotos macht. Derjenige der Sie anwendet und kennt, wird sie auch gelegentlich brechen und später mit der Erfahrung seine eigenen Regeln dazu erfinden.
Diese Regeln, das Spiel mit der Unschärfe, Ausschnittswahl, der Einsatz der technischen Hilfsmittel und die Nacharbeitung in der Dunkelkammer oder am Computer ergeben als Endprodukt ein Bild und es ist umso besser je länger die Augen des Betrachters darauf verweilen.
Dieses Bild ist auf schon kurz nach der Aufnahme verfremdet aber wenn der Fotograf nachträglich diese Verfremdung steigert um seine Aussage zu verstärken so ist das, für den künstlerischen Fotografen, legitim und hat nichts mit der Manipulation der Wirklichkeit zu tun. Denn jeder sieht die Realität auf seine Weise. Der Fotoreporter muss sich da etwas zurückhalten um nicht in den Verdacht zu geraten z seine „Seher“ zu stark beeinflussen. Er wird als nicht unbedingt zu einer Fotomontage greifen um seine Szene noch heißer zu erscheinen, aber mit einer bestimmten Aufnahmetechnik weiß er auch wie er das Sensationsbedürfnis seine Kunden zufrieden stellt.
Bei Portraits kann manversuchen das authentische der fotografierten Person zu treffen oder sie so zu fotografieren wie sie sich gerne sieht. Also die so genannten Chokoladenseiten zu treffen. Die Verfremdung der Wirklichkeit wird durch die Wahl des geeigneten Ausschnitts, einer interessanten ungewöhnlichen Perspektiv und vor allem durch die Beleuchtung erreicht.
Verfremdung mit den häufig angebotenen Filtern der Bildverarbeitung zu erreichen kann leicht dazuführen dass das Bild „ausgelutscht“ und gewöhnlich aussieht. Verfremdung muss also dezent angewendet werden. Oder so massiv dass der Betrachter erschlagen wird.
Die Aussage „Kunst kommt von können“ trifft auf die alten Meister die, die Realität möglichst genau nachzumalen wollten und mussten. Später kamen die Impressionisten, Expressionisten und Kubisten die dem Kunstkonsumenten mehr Freiheit ließen. Durch Verfremdung der Realität hatte der Betrachter seine Fantasie einzuschalten. Die Bilder gefielen, weil es mehr Spielraum für die eigene Fantasie gab. Die abstrakte Malerei und die moderne Kunst gibt dem Kunstbetrachter noch mehr Freiheit, bis zu abstraktem Exzess mancher Bilder von Jackson Pollock .
R.Ottohall 2007